logo"Fil rouge" - Suchtprävention in Kinder- und Jugendheimen

Aktuell

 

Wohlbefinden und Sinnhaftigkeit als Ressource (SuchtMagazin 2/01)

 

Eine Grundvoraussetzung für die positive Entwicklung der KlientenInnen ist, dass sie sich wohlfühlen und einen Sinn in ihrem Aufenthalt sehen können: Überzeugt von diesem Grundsatz führte das Schul- und Wohnzentrum Schachen in Luzern eine Befragung der Kinder und Jugendlichen im Zentrum durch, auf deren Resultaten die weitere Entwicklung aufgebaut werden kann.

 

Corinne Bisegger, Paul Longoni

Corinne Bisegger, Abteilung für Gesundheitsforschung des Institutes für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern.
Paul Longoni, Leiter des Luzerner Jugendheims Schachen, 6105 Schachen, Tel. 041 497.25.55, Fax. 041 497.13.55, e-mail: info@schachen.chwww.schachen.ch.

 

Das Schul- und Wohnzentrum Schachen-Luzern (SWZ) nimmt am Projekt „Fil rouge II“, dem Suchtpräventionsprojekt für Jugendheime des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) teil. Im Rahmen dieses Projektes haben die MitarbeiterInnen des Zentrums Schachen sich intensiv mit dem Lösungsorientierten Ansatz (LOA) auseinandergesetzt und diesen ganz ins Zentrum ihrer Arbeit gestellt. Das BAG ermöglicht es den an „Fil rouge II“ beteiligten Heimen, Unterstützung für eine Selbstevaluation des Projektes in Anspruch zu nehmen. In diesem Sinne ist der vorliegende Evaluationsbericht entstanden aus der Zusammenarbeit des Schul- und Wohnzentrums Schachen und der Abteilung für Gesundheitsforschung des Institutes für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern.

Die MitarbeiterInnen des Heimes wollten eine Lücke in ihren bisherigen Evaluationen schliessen, indem eine Befragung bei allen Kindern und Jugendlichen durchgeführt wurde, die später wiederholbar ist. Das Thema dieser Befragung ist die Befindlichkeit der Kinder und Jugendlichen (Wohlbefinden und Sinnhaftigkeit) in ihrer Situation im Zentrum. Somit wird die schon vorhandene Studie zur Arbeitszufriedenheit der MitarbeiterInnen (s. Fussnote) mit der Perspektive der Kinder und Jugendlichen ergänzt.

 

Ziele, Inhalte und Fragestellungen der Evaluation

 

Die Evaluation erhebt die Befindlichkeit der Kinder und Jugendlichen in ihrer Situation im Schul- und Wohnzentrum. Es soll insbesondere danach gefragt werden, welchen Sinn die Kinder und Jugendlichen in ihrem Aufenthalt im Schul- und Wohnzentrum sehen, d.h. auch welche persönlichen Ziele sie durch diesen Aufenthalt verwirklichen konnten und aus ihrer Sicht noch können werden. Eine weitere wichtige Frage ist, wie die Kinder und Jugendlichen die Kommunikation im Zentrum allgemein und in speziellen Situationen (z.B. regelmässig durchgeführte Standortbestimmung) erleben. Die Kinder und Jugendlichen sollten ausserdem Gelegenheit dazu haben, ganz konkrete Bedürfnisse und Wünsche nach Veränderungen zu äussern. Diese Fragen stehen im Zusammenhang mit der Methode des lösungsorientierten Ansatzes.

 

Das Vorgehen

 

Die Kinder und Jugendlichen im Zentrum Schachen wurden in einem je etwa halbstündigen persönlichen Interview anhand eines strukturierten Leitfadens von einer ehemaligen Mitarbeiterin des Schul- und Wohnzentrums befragt. Dieser Leitfaden besteht einerseits aus geschlossenen Fragen mit in der Regel 10-stufiger Antwortskala, welche den Kindern und Jugendlichen vom lösungsorientierten Ansatz her vertraut ist, andererseits aus offenen Fragen, bei denen die Antwort frei formuliert werden kann.

Insgesamt wurden 37 Kinder und Jugendliche im Alter von 7 bis 17 Jahren (Mittelwert 13.6 Jahre) befragt, davon sind 8 weiblich (3 Mädchen bis 12 Jahre, 3 13- bis 14-jährige und 2 Jugendliche ab 15 Jahren) und 29 männlich (6 Jungen bis 12 Jahre, 11 13- bis 14-jährige und 12 Jugendliche ab 15 Jahren). Zwei Drittel der Befragten sind also männliche Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Befragten im Zentrum Schachen betrug zum Zeitpunkt der Interviews 21 Monate.

 

Situation allgemein

 

In einem ersten Teil der Befragung geht es grundsätzlich um die Situation bzw. das Befinden der Kinder und Jugendlichen im Schul- und Wohnzentrum. Es lässt sich feststellen, dass sich der Grossteil der Kinder und Jugendlichen im SWZ allgemein wohl fühlen. Auf einer Skala von 1 - 10 wurde der Wert 10 bei fast allen Fragen zum Thema „Situation im SWZ allgemein“ am häufigsten angekreuzt. Allerdings muss auch gesagt werden, dass es für doch fast die Hälfte der Befragten eher bis gar nicht schön ist, am Sonntag wieder in das Zentrum zu kommen; die Meinungen gehen in diesem Punkt sehr auseinander. Es darf auch gesagt werden, dass die Jugendlichen untereinander tendenziell gute bis sehr gute Kontakte pflegen. Sie sind für einander wichtige Bezugspersonen und GesprächspartnerInnen. Beziehungen zu Erwachsenen sind in der Mehrzahl von ähnlich guter Qualität, wobei sich die Jugendlichen bei Streitigkeiten und beim Lösen von Problemen von Erwachsenen etwas weniger gut verstanden fühlen als von Gleichaltrigen. In diesem Fragenbereich tritt ein signifikanter Geschlechtsunterschied zu Tage: Jungen geben an, sich besser mit ihren KollegInnen zu verstehen als die Mädchen.

Obschon etwa 70 Prozent der Kinder und Jugendlichen sich eher bis sehr gerecht behandelt fühlen, erwähnen viele von ihnen Ungerechtigkeiten, wenn sie nach Beispielen für gerechte oder ungerechte Behandlung gefragt werden. Es muss also angenommen werden, dass auch Jugendliche, die sich im Allgemeinen gerecht behandelt fühlen, teilweise Ungerechtigkeiten erfahren. Wie aus der Auflistung der Antworten zu entnehmen ist, scheinen diese Ungerechtigkeiten vorwiegend in den Interaktionen zwischen Kindern bzw. Jugendlichen und Erwachsenen zu liegen, wenn es darum geht, wie und wer bei Konflikten bestraft werden soll.

 

Soll etwas geändert werden und – wenn ja – in welchem Bereich?

 

Als gut werden im SWZ von den Kindern und Jugendlichen vor allem die Möglichkeiten genannt, ihre Freizeit zu gestalten und auch die Infrastruktur des Zentrums wird positiv erwähnt (an dieser Stelle werden auch die Computer genannt, die im ganzen Fragebogen immer wieder als etwas Positives bewertet werden). Fast genauso häufig wird auch die Schule als Institution in positivem Sinn genannt. Weiter wird von den Kindern und Jugendlichen auch der Kontakt zu (z.T. bestimmten) Erwachsenen und zu KollegInnen als gut eingeschätzt.

Was sollte im SWZ nun geändert werden? Am häufigsten, nämlich mit etwa einem Drittel aller Aussagen, werden Vorschriften und Regeln kritisiert. Es handelt sich hierbei meist um Themen wie Freizeit, Bettzeiten und „Ämtli“. Die Vorschriften und Regeln werden in den allermeisten Fällen als zu streng bewertet. Am zweithäufigsten (etwa ein Viertel der Aussagen) wird von den Jugendlichen angegeben, dass im SWZ nichts geändert werden soll. Insgesamt scheint es, dass ein Grossteil der Kinder und Jugendlichen im grossen und ganzen mit den Umständen im SWZ recht zufrieden ist.

Vorweggenommen sei hier auch schon die letzte Frage: Wie glücklich sind die Befragten in letzter Zeit, wenn sie an alles zusammen zurückdenken? Immerhin knapp zwei Fünftel der Kinder und Jugendlichen sind (fast) sehr glücklich, ein guter Viertel ist eher glücklich, aber etwa ein Fünftel ist eher nicht so glücklich und doch auch etwa ein Zehntel der Kinder und Jugendlichen ist (gar) nicht glücklich.

 

Situation in den Wohngruppen

 

Die Befragung ergab weiter, dass die Kinder und Jugendlichen mit dem Leben in der Wohngruppe im Allgemeinen recht zufrieden sind. Die Mittelwerte der entsprechenden Fragen liegen allesamt über dem Wert 7. Es kann aber auch festgestellt werden, dass die Antworten jeweils über die ganze Skala von 1 - 10 verteilt sind. Das heisst, dass es bei jeder Frage Kinder und Jugendliche gibt, die mit der Situation in der Wohngruppe weniger bis gar nicht zufrieden sind. So denken also einige, dass sie in der Wohngruppe nicht viel für das allgemeine Leben lernen und finden, den Erwachsenen würde nicht allzu viel an der Zukunft der Kinder und Jugendlichen liegen. Deutlich positiv wird von den Kindern und Jugendlichen bewertet, dass sie für ihre Anstrengungen mit Lob und Anerkennung belohnt werden, und dass sie von den Erwachsenen ernst genommen werden.

Die Meinungen zu „Freiheit und Kontrolle“ gehen ebenfalls recht weit auseinander. Die Anworten streuen über die ganze Skala von 1 („Viel mehr Kontrolle“) bis 5 („Viel mehr Freiheit“). Allerdings ist hierbei eine leichte Tendenz in Richtung „mehr Freiheit“ festzustellen; der Mittelwert liegt leicht über dem Wert 3 („Gleich wie bis jetzt“). Wie angedeutet, wünschen sich aber auch einige der Befragten mehr Kontrolle als bisher. Diese Frage korreliert signifikant mit dem Alter: Die Kinder bis 12 Jahre wünschen sich mehr Freiheit als die 13- bis 14-jährigen und die 15- bis 17-jährigen Jugendlichen.

 

Was gefällt den Kindern und Jugendlichen an den Wohngruppen?

 

Was finden nun die Kinder und Jugendlichen in der Wohngruppe besonders gut? Am häufigsten wurden hier Antworten zum Thema Regeln und Vorschriften gegeben. Es geht dabei meist um Freiheiten, also um Dinge, welche die Kinder und Jugendlichen machen dürfen, wie Fernsehen schauen, manchmal länger wach bleiben, „Nintendo“ spielen etc. Dabei kommt auch klar zum Ausdruck, dass es Kindern und Jugendlichen wichtig ist, dass es Regeln gibt. Häufig wurden erwähnt: „das Zusammenleben mit den Gleichaltrigen“, „der Grossteil der Kinder / Jugendlichen ist recht nett“ und „die meisten setzen sich für ein gutes Zusammenleben in der Wohngruppe ein“. Die Infrastruktur und die Erwachsenen werden bei dieser Frage etwas weniger häufig aufgeführt. Ein kleiner Teil der Befragten finden in der Wohngruppe nichts gut.

 

Änderungsvorschläge für die Wohngruppen

 

Und was möchten die Kinder und Jugendlichen auf der Wohngruppe gerne ändern? Am häufigsten werden hier ebenfalls die Regeln und Vorschriften genannt. Die Antworten gehen im Allgemeinen dahin, dass bestehende Regeln aufgehoben werden sollten und dies zu Gunsten grösserer Freiheit. Ziemlich unzufrieden scheinen die Befragten mit den Bettzeiten und Ausgangsregeln zu sein. Die Kleidervorschriften sollten ebenfalls gelockert werden. Häufiger werden auch Antworten zum Thema Infrastruktur und Organisation gegeben. Hier möchten die Kinder und Jugendlichen einige Räumlichkeiten geändert haben und verlangen neue Spielzeuge und ein Fernsehgerät. Einige Nennungen beziehen sich auch auf die Mittagszeitregelung, vor allem, dass man in dieser Zeit nach draussen gehen darf. Ein grösseres Anliegen im Zusammenleben in der Wohngruppe scheint weiter darin zu liegen, dass nicht mehr so viel gestohlen werden sollte und dass sich die Stimmung ganz allgemein verbessern sollte. Zu den Erwachsenen werden relativ wenige, unterschiedliche Aussagen gemacht. Teilweise wird gewünscht, dass diese strenger oder weniger streng seien.

Mit dem Essen sind die Kinder und Jugendlichen ganz unterschiedlich zufrieden. Die Antworten dazu sind relativ gleichmässig über die ganze Skala verteilt, wobei der Mittelwert leicht in Richtung „zufrieden“ erhöht ist.

 

Situation in der Schule

 

Es lässt sich bei den SchülerInnen eine allgemeine Zufriedenheit bezüglich der Schule feststellen, obschon ein kleinerer Teil angibt, weniger zufrieden zu sein. Die allermeisten Befragten haben das Gefühl, in der Schule wichtige Sachen für das Leben zu erlernen. Nur ein kleiner Teil gibt an, wenig oder gar nichts Wichtiges zu lernen. Weiter wird auch positiv bewertet, dass die meisten SchülerInnen für ihre Anstrengungen Lob und Anerkennung erhalten, und dass sie von den Erwachsenen ernst genommen werden. Gemäss den Aussagen setzen sich die Erwachsenen auch für die Zukunft der Befragten ein. Auffallend ist bei den zuletzt genannten Punkten, dass sich jeweils nur sehr wenige SchülerInnen mangelhaft unterstützt oder ernst genommen fühlen. Bei der Frage, ob die Befragten gut mit Erwachsenen über Probleme reden können, gehen die Meinungen auseinander. Tendenziell ist der Grossteil der SchülerInnen in dieser Beziehung mit der Unterstützung zufrieden. Es muss aber auch festgestellt werden, dass einige Befragte weniger bis gar nicht gut mit Erwachsenen über Probleme reden können.

Als besonders gut werden von den SchülerInnen am häufigsten bestimmte Schulstunden genannt (41.5 Prozent der Nennungen). In dieser Kategorie fällt vor allem das grosse Interesse an Computerstunden auf (8 Nennungen). Etwas weniger oft werden Aussagen zu den LehrerInnen gemacht, wobei etwas mehr als die Hälfte zu einzelnen Personen gemacht werden. Ansonsten wird die Geduld und Hilfsbereitschaft der LehrerInnen genannt. Einige der SchülerInnen schätzen beispielsweise auch, dass sie besser betreut werden als an öffentlichen Schulen, und dass sie in Ruhe arbeiten können.

 

Änderungsvorschläge zum Schulbereich

 

Was möchten nun die SchülerInnen an der Schule gerne geändert haben? Hier fällt auf, dass immerhin ein Viertel der Kinder und Jugendlichen nichts geändert haben möchten, was auch der oben angesprochenen allgemeinen Zufriedenheit entspricht. Die Änderungswünsche sind recht vielfältig und gehen vom Bedürfnis nach anderen Schulzeiten bis zu Vorschlägen nach anderen Klassenaufteilungen. Vielleicht ausser dem einzelnen Wunsch, nicht mehr von den LehrerInnen gepackt zu werden, scheinen keine schwerwiegenden Änderungen in der Schule gefordert zu werden. Im Gegensatz dazu werden von einigen SchülerInnen sogar mehr Hausaufgaben und anspruchsvollerer Schulstoff verlangt.

Die Gedanken zu Freiheit und Kontrolle in der Schule gehen bei den Befragten beträchtlich auseinander. So wünschten sich einige eher mehr Kontrolle, andere – ungefähr gleich viele – etwas mehr Freiheit. Ebenfalls ein Drittel der Kinder und Jugendlichen scheint mit der Freiheit und Kontrolle in der Schule zufrieden zu sein und wünscht sich diesbezüglich keine Änderungen.

Wie schon bei der gleichen Frage in der Wohngruppe zeigt sich auch hier ein signifikanter Alterseffekt: Die Jüngeren (7 - 12 Jahre) wünschen sich mehr Freiheit, die Älteren (15 - 17 Jahre) eher etwas mehr Kontrolle, die mittlere Altersgruppe (13 - 14 Jahre) ist mit der Situation zufrieden.

 

Situation in der Psychotherapie

 

Die Kinder und Jugendlichen scheinen im Allgemeinen mit der Psychotherapie sehr zufrieden zu sein. Die Mittelwerte der entsprechenden Fragen sind allesamt hoch, der Maximalwert 10 auf einer Rangskala, welche von 1 - 10 geht, wurde bei der Bewertung jeweils am häufigsten angekreuzt. Die Befragten geben vor allem an, dass sie sich in der Therapie von den Erwachsenen ernst genommen fühlten und das sie mit ihnen ziemlich gut über Probleme sprechen könnten. Es kann aber auch festgestellt werden, dass sich in der Therapie einige der Befragten wenig mit Lob und Anerkennung unterstützt fühlen und auch weniger zufrieden sind.

Sehr häufig werden Spiele im Rahmen der Therapie als positiv bewertet. Ungefähr die Hälfte aller Nennungen fallen auf diese Kategorie. Ein Viertel der Nennungen fallen auf die Kategorie Gespräche. Auffallend ist auch, dass relativ viele Kinder und Jugendlichen an der Therapie ausdrücklich nichts ändern möchten, sie scheinen mit der Therapie weit gehend zufrieden zu sein. Die neun tatsächlich geäusserten Wünsche sind sehr unterschiedlich, wobei drei Antworten auf deutliche Kritik schliessen lassen.

 

Ziele der Kinder und Jugendlichen

 

Die Antworten auf die Frage „Wie gut helfen dir die Erwachsenen auf der Wohngruppe dir Ziele und Teilziele vorzunehmen?“ streuen über die ganze Skala. Der Mittelwert liegt zwar über dem Durchschnitt, doch es muss auch festgestellt werden, dass sich einige der Kinder und Jugendlichen auf der Wohngruppe wenig darin unterstützt fühlen, sich eigene Ziele zu setzen (etwa ein Viertel der Werte liegt zwischen 1 und 5). Fast das gleiche Bild ergibt sich aus den Antworten auf die analoge Frage bezogen auf die Schule.

Wenn man nun aber fragt, wie gut die Kinder und Jugendlichen ihre Ziele im SWZ schon erreicht haben, liegt der grösste Teil der Antworten in einem Bereich zwischen „mittelmässig“ bis „sehr gut“ (nur zwei Antworten liegen unter dem Wert 6). Das Antwortmuster dieser Frage unterscheidet sich also von denjenigen der beiden oben angesprochenen Fragen: So fühlt sich also ein Teil der Kinder und Jugendlichen wenig in der Festlegung von Zielen unterstützt, der grösste Teil gibt aber dann an, Ziele recht gut erreicht zu haben.

Konkret danach gefragt wurden von den Kindern und Jugendlichen an erster Stelle Ziele im Bereich Lehre und Beruf genannt. Einige der Befragten scheinen schon einen konkreten Berufswunsch zu haben, andere möchten einfach einen guten Beruf oder eine gute Lehrstelle finden. Am zweit häufigsten wurden persönliche Vorsätze, wie „SWZ verlassen“ und „selbstständig sein“ genannt. Ziel bezüglich Schule/Bildung und Familie wurden etwas weniger oft erwähnt.

 

Einschätzungen zu den Gesprächen

 

Die Meinungen über die regelmässig stattfindenden Gespräche (Fördergespräche, Standortbestimmungen) gehen bei den Kindern und Jugendlichen recht weit auseinander. Auch die Antworten zu diesem Thema streuen jeweils über die ganze Skala von Wert 1 bis 10. Die Mittelwerte liegen fast alle etwas über dem Durchschnittswert. So finden es einige der Befragten gut, dass sie regelmässig Gespräche haben, dass mehrere Erwachsene dabei sind und was diese bei Standortbestimmungen beschliessen. Zu all diesen Themen gibt es aber auch einige bis mehrere Kinder und Jugendliche, die dies jeweils als weniger oder gar nicht gut bewerten. Einige haben auch nicht das Gefühl, dass ihnen diese Gespräche helfen, um weiter zu kommen. Somit ist auch verständlich, dass ein Teil der Befragten nicht gerne zu diesen Gesprächen geht und dass hier der Mittelwert etwas unter dem Durchschnitt liegt. Die Antworten auf die Fragen, wie gut Kinder und Jugendliche verstehen, was in diesen Gesprächen besprochen wird, fallen tendenziell positiver aus. So gibt der grösste Teil an, gut zu verstehen, was jeweils besprochen wird.

Etwa ein Drittel der Befragten finden es gut, dass in den Gesprächen eine Standortbestimmung gemacht wird, damit sie wissen, welches genau die zu verfolgenden Ziele sind, und wo sie im Moment „stehen“. Geschätzt wird auch, dass die Kinder und Jugendlichen bei der Zielformulierung aktiv teil nehmen können. Ein ähnlich grosser Teil der Nennungen fällt auf die Kategorie „Unterstützung“, was soviel heisst, wie: gelobt und ernst genommen zu werden und Tipps zu erhalten. Änderungswünsche bezüglich der Gespräche beziehen sich vor allem auf die Gesprächsdauer und -anzahl, in dem Sinne, dass Gespräche seltener statt finden und weniger lange dauern sollten.

 

Wünsche und Kritik an das SWZ

 

Im letzten Teil des Fragebogens konnten die Kinder und Jugendlichen nochmals ganz allgemein über die Situation im SWZ Auskunft geben. Im Gegensatz zum Kapitel „Situation im SWZ allgemein“ (s.o.), konnten die Befragten in diesem Abschnitt sagen, was ihnen im SWZ gut tut, woran sie ein Wunder bemerken würden und was ihnen am besten oder am wenigsten gut gefällt. Die Antwortinhalte sind natürlich bei solch offenen Fragen sehr unterschiedlich, was sich schlussendlich auch in der grösseren Anzahl von Kategorien zeigt.

Ein Grossteil der Anworten auf die Fragen „Was tut dir gut?“ und „Woran würdest du ein Wunder bemerken?“ beziehen sich auf die Kategorien Schule, Freizeitbeschäftigung und soziale Kontakte. Viele Kinder und Jugendliche scheinen also damit recht zufrieden zu sein, obwohl sich einige in diesen Bereichen noch Verbesserungen wünschen würden. Dies widerspiegelt sich teilweise auch dann, wenn man fragt, ob die Kinder und Jugendlichen noch etwas Wichtiges zu sagen haben. Hier fallen viele Antworten auf die Kategorie Personen und Soziale Kontakte. Ein Teil der Nennungen sind nämlich Komplimente, ein anderer betrifft Beschwerden gegenüber einzelnen Personen oder Personengruppen.

Welche Dinge gefallen nun den Befragten am besten? Ein Grossteil der Nennungen beziehen sich auf Freizeitangebote und Infrastruktur. Hier wird vor allem das grosse Angebot geschätzt. Fast ein Viertel der Nennungen gehen auch auf die Kategorie Personen und soziale Kontakte. Hierbei werden sowohl KollegInnen wie Erwachsene genannt. Welche Dinge gefallen den Kindern und Jugendlichen am wenigsten gut? Der grösste Teil der Antworten fallen hier in den Bereich Regeln und Vorschriften, wobei vor allem die „Ämtli“ und Zeitvorschriften erwähnt werden.

 

Schlussfolgerungen

 

Der vorliegende Bericht zeigt, dass die mit der Einführung des lösungsorientierten Ansatzes im SWZ angestrebte Verbesserung der Befindlichkeit und Sinnhaftigkeit des Aufenthaltes bei den Kindern und Jugendlichen erreicht werden konnte. Trotz dem insgesamt erfreulichen Ergebnis müssen die Resultate analysiert und nötige Veränderungen eingeleitet werden. Zudem soll diese oder eine angepasste Befragung in Zeitabständen regelmässig durchgeführt und so zu einem ständigen Controllinginstrument im Rahmen der Qualitätssicherung des SWZ werden. So kann der durch das Fil rouge II unterstützten Selbstevaluation eine Nachhaltigkeit verschafft werden.

 


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