Aktuell

Newsletter Infodrog

Der April-Newsletter von Infodrog, der Schweizerischen Koordinations- und Fachstelle Sucht, ist soeben erschienen.

Deutschland: Lobbyisten wollen die Tabakwerbung retten

Dass die Zigarettenindustrie immer noch großflächig plakatieren darf, verdankt sie der Union - deren Parteitage sie seit Langem mitfinanziert. Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion blockierte unter ihrem einstigen Chef Volker Kauder mit allen erdenklichen Winkelzügen ein weitreichendes Verbot der Aussenwerbung. 2016 verhinderte sie sogar einen Gesetzentwurf, den die Bundesregierung von Kanzlerin Merkel bereits verabschiedet hatte. Nun - nach dem Ausscheiden von Volker Kauder - wollen sich CDU und CSU dazu durchringen, die Tabakwerbung einzuschränken. Doch Lobbyisten verunsichern Politiker gezielt mit irreführenden Behauptungen. Artikel auf Spiegel Online.

Laschere Werbeverbote für Tabak gefährden Uno-Abkommen

Die Gesundheitskommission des Ständerats hat drei neue Berichte zum geplanten Tabakgesetz veröffentlicht. Einer davon zeigt: Wenn das Parlament keine schärferen Werbeverbote beschliesst, kann die Schweiz einen völkerrechtlichen Vertrag nicht ratifizieren. Im Moment führt die Kommission die Detailberatung zum neuen Bundesgesetz über Tabakprodukte und elektronische Zigaretten (15.075) durch. Medienmitteilung der Kommission (mit Links zu den Berichten). Artikel auf NZZ Online.

Verkauf von Cannabis kommt in Kanada nur schleppend voran

Ein halbes Jahr nach der Legalisierung von Cannabis in Kanada zeigt sich: Der Verkauf der Droge läuft schlechter als erwartet und fristet ein Nischendasein. Grund für das maue Geschäft sind Lieferengpässe und der nach wie vor florierende Schwarzmarkt. In Toronto werden etwa in einer Handelskette 3,5 Gramm einer Marihuanasorte für rund 40 kanadische Dollar verkauft. Schwarzmarkthändler verkaufen die gleiche Menge für ungefähr die Hälfte des Preises. Artikel auf Spiegel Online.

Deutschland: Kosten des Rauchens aus ökonomischer Perspektive

Die Kosten des Rauchens sind auch für die deutsche Wirtschaft eine wichtige, nicht vernachlässigbare Größe. Insbesondere die den Produktivitätsverlust durch das Rauchen beziffernden indirekten Kosten belaufen sich auf 55,82 Mrd. € pro Jahr. Ebenfalls ergeben sich direkte Kosten des Rauchens für den Unternehmenssektor, die v.a. mittelbar über die Gesetzliche Unfallversicherung geleistet werden, in Höhe von 316,61 Mio. € pro Jahr. Beide Kostengrößen sind Untergrenzen in denen verschiedene weitere Aspekte der ökonomischen Kosten des Rauchens noch nicht berücksichtigt wurden. Gutachten der Universität Hamburg.

Die stille Gefahr der Schlaftabletten

Rund vier Millionen Packungen Schlaf- und Beruhigungsmittel verschreiben Ärzte in der Schweiz pro Jahr, für mehr als 800'000 Patienten. Eine Untersuchung von Suchtmonitoring Schweiz von 2016 liefert weitere Daten: So hatten rund 7 Prozent der Befragten ab 15 Jahren in den letzten vier Wochen Schlaf- oder Beruhigungsmittel eingenommen; bei den über 75-Jährigen waren es 18 Prozent. Etwa die Hälfte der Befragten nahmen diese seit mehr als einem Jahr täglich ein. Hochgerechnet sind das 200'000 Menschen. Diese Zahlen sind deshalb brisant, weil die Benzodiazepine sich nicht für einen längerfristigen Gebrauch eignen. Sie machen schnell abhängig. Beitrag auf #12.

Deutschland: Rauchen bleibt die häufigste Sucht

Die Raucherpause – lange Zeit gehörte sie zur Normalität am Arbeitsplatz. Das Bewusstsein für die Gefahren des Nikotins ist jedoch ein anderes geworden. So weist der aktuelle Gesundheitsreport (pdf, 244S.) der Krankenkasse DAK darauf hin, dass die Raucherquote bei bis zu 25-Jährigen innerhalb von 17 Jahren um mehr als ein Drittel zurückging. Dennoch: Unter den Erwerbstätigen gibt es derzeit 6,5 Millionen regelmäßige Raucher. Rauchen bleibt damit die verbreitetste Sucht. Zudem sind laut Bericht Suchtkranke Mitarbeiter im Durchschnitt doppelt so oft krank wie nicht süchtige Beschäftigte, sie kommen häufiger zu spät zur Arbeit und sind oft unkonzentriert. Beitrag auf dem Arbeitsschutz-Portal.de, Artikel der Berliner Morgenpost.

Jugendliche zu Substanz- und Handykonsum informieren

Aktuelle Zahlen aus der Schweiz zeigen, dass 25.4% der 15-jährigen Jugendlichen in den letzten 30 Tagen das Rauschtrinken zelebriert haben. 8.7% der 15-Jährigen rauchen zumindest wöchentlich Zigaretten. Weiter gab ein Viertel der 12 bis 19-Jährigen an, schon mindestens einmal Opfer von Cybermobbing geworden zu sein. Mit überarbeiteten sowie neu entwickelten Lehrmitteln des Blauen Kreuzes, können Lehrpersonen die Thematik im Unterricht aufgreifen. Medienmitteilung vom Blauen Kreuz.

Deutschland: Erfolgreiche Suchtberatung gibt es nicht zum Nulltarif!

Bundesweit übernehmen Suchtberatungsstellen vor Ort eine wichtige Aufgabe der öffentlichen Daseinsvorsorge und können erfolgreiche Leistungen vorweisen. Die teilweise prekäre Finanzsituation der Beratungsstellen vor Ort veranlasst die Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. und ihre Mitgliedsverbände sowie den Fachverband Sucht e.V. jedoch zur Veröffentlichung eines Notruf Suchtberatung (pdf, 2S.).

Suchtforschungstelegramm der Bayerischen Akademie:

Das aktuelle Forschungstelegramm (Nr. 39, pdf, 13S.) der Bayerischen Akademie für Sucht- und Gesundheitsfragen steht zum Download bereit. Aus dem Inhalt:

  • Unterscheidet sich die Motivation beim Glücksspiel zwischen den Geschlechtern und favorisierten Glücksspielarten
  • Substanzbezogene Störungen im späteren Lebensalter – ein Review
  • Wirksamkeitsvergleich von Behandlungsmöglichkeiten bei pathologischem Glücksspiel: eine Meta-Analyse
  • Angst, Depression und Schlaflosigkeit bei erwachsenen Opioidabhängigen: Naltrexon vs. Buprenorphin
  • Kindlicher Konsum von Zucker und Fett als Prädiktor für regelmäßigen Alkoholkonsum in der Jugend

 

 

Tagungen in der Schweiz

3. Stakeholderkonferenz Nationale Strategie Sucht

6. Mai 2019, Bern
Gesund altern – ein Widerspruch?
Die Veranstaltung wird vom Bundesamt für Gesundheit organisiert
Konferenzseite

13. Basler Frühjahrstagung

Verhaltenssüchte
9. Mai 2019, Basel
Veranstaltung der Universitäten Psychiatrischen Kliniken Basel in Zusammenarbeit mit der Abteilung Sucht des Gesundheitsdepartements Basel-Stadt.
Programm

Dialogwoche Alkohol

16. bis 26. Mai 2019, verschiedene Kantone
Motto: «Wie viel ist zu viel?»
Koordination durch den Fachverband Sucht.

Zwischenbilanz TARPSY - Wie verändert die neue Tarifstruktur das Behandlungsnetz in der Suchthilfe?

13. Juni 2019, Zürich
Infos: Fachverband Sucht, Patricia Sager, Tel. 044 266 60 60, info@fachverbandsucht.ch
Online-Anmeldung und Detailinformationen

5. Internationale Tagung Soziale Arbeit und Stadtentwicklung

20. & 21. Juni 2019, Muttenz
Veranstalterin ist die Hochschule für Soziale Arbeit der FHNW
www.tagung-stadtentwicklung.ch

Abhängig im digitalen Schlaraffenland

29. August 2019, Münsingen
Chancen und Risiken von internetbasierten Interventionen in der Suchttherapie. Eine Veranstaltung der Berner Gesundheit und dem Psychiatriezentrum Münsingen.
www.bernergesundheit.ch

«Human Enhancement»: Was hat das mit Sucht zu tun?

SuchtAkademie
19. und 20. September 2019, Monte Verità
www.academie-des-dependances.ch

Swiss Addiction Research Day